Freitag, 30. Mai 2014

im waldrucksack {2} und eine verkürzte baummeditation


los geht's! am kommenden montag findet meine erste praxisführung mit einer 1. klasse volksschule statt. die (flexible) planung steht und ich freu mich schon sehr darauf.
(drückt die daumen, dass es nicht oder nur wenig regnet.)
mein abschiedsgruß für die teilnehmenden kinder: ein eigens dafür geschaffener "ich bin ein waldkind"-handstempelaufdruck.


vorbereitet habe ich gestern noch eine verkürzte baumkreismeditation, ob sie für die montagsgruppe geeignet ist, wird sich weisen, ich denke aber eher nicht.
familientauglich ist die meditation aber durchaus und vielleicht für den ein oder anderen von euch auf einem waldspaziergang durchführbar:




Baumkreismeditation (für Kinder)

Wir stellen uns nun in einem Kreis auf. Jeder sollte soviel Platz haben, dass er die Arme seitlich ausstrecken kann und dabei seine Finger die des Nachbarn leicht berühren.

Stell dir nun vor, du bist ein Samen eines Baumes. Zum Beispiel eine Eichel, eine Kastanie, ein Ahornsamen...
Schließe nun deine Augen und hocke dich zusammengerollt als dieser Samen auf den (Wald-)Boden.
Stell dir vor, es ist Herbst, die bunten Blätter der Bäume fallen zur Erde und decken dich zu. Eine dicke Laubschicht liegt nun auf dir, damit du es im Winter schön warm hast.
...
Es wird Winter und es schneit. Obwohl es oben ganz kalt ist, hast du es unter der Erde und unter der Laubdecke behaglich warm. Du schläfst.
...
Oben wird es nun Frühling. Die Sonne scheint und der Schnee schmilzt. Die Wärme der Sonnenstrahlen dringt durch die Laubschicht und die Erde bis zu dir und du erwachst.
Deine Schale springt auf und du streckst eine erste Wurzel heraus, die sich in die Erde gräbt. Immer mehr Wurzeln werden es, die sich in die Erde graben.
Mit deinen Wurzeln ziehst du Wasser aus der Erde und trinkst, bis sich langsam ein kleiner Trieb durch die Schale, die Erde und das Laub nach oben ans Licht streckt. Langsam entfalten sich deine ersten Blätter und strecken sich begierig dem Licht entgegen.
Mit den Blättern nimmst du das Licht der Sonne auf und die Luft.
Ausreichend Wasser, Licht und Luft lassen dich wachsen. Immer größer und größer wirst du. Deine Äste und Zweige drängen nach oben, immer weiter ans Licht.
Schließlich stehst du als ganzer stattlicher Baum da.
Deine Wurzeln sind tief und fest in der Erde verankert.
Du hast einen hohen starken Stamm mit vielen kräftigen Ästen, Zweigen und Blättern.
Du spürst die Energie des Sonnenlichtes in deiner Krone und den Wind in deinen Blättern.
Mit deinen Wurzeln holst du tief aus der Erde das Wasser und ziehst es den ganzen hohen Stamm hinauf bis in deine Blätter. Versuche zu spüren, wie es in deinem Stamm hochströmt. Durch deine Blätter verdunstet es in den Himmel.
Mit deinen Blättern holst du dir das Sonnenlicht und die Luft. Ihre Kraft ziehst du durch deinen gesamten Stamm hinunter bis in die Wurzelspitzen hinein. Durch deine Wurzelspitzen gibst du diese Kraft weiter in die Erde.
Deine Zweige und Äste wachsen, dein Stamm wird noch kräftiger und stärker, deine Wurzeln breiten sich immer mehr aus.
Um dich herum stehen deine Geschwister, die anderen Bäume. Eure Wurzeln und eure Baumkronen berühren einander. Zusammen seid ihr ein stattlicher Jungwald, der überall Tieren ein Zuhause gibt. Zu euren Füßen, an den Wurzeln wohnt eine Fuchsfamilie. In euren Zweigen haben Vögel ihre Nester gebaut. Eichhörnchen springen übermütig durch eure Baumkronen von Ast zu Ast, von Baum zu Baum.
Ihr seid glücklich, dass ihr allen Nahrung und ein Zuhause geben könnt.
An euren Zweigen bilden sich kleine Blütenknospen, die sich der Sonne öffnen.
Der Wind (und Insekten) kommt(kommen), um die Blüten zu bestäuben.
Die Blüten verwandeln sich in Samen, die den ganzen Sommer lang an euch reifen.
Ihr seid voll mit Lebenskraft.
Der Sommer geht zu Ende. Der Wind kommt und die Samen fallen zur Erde.
Der Herbst färbt euer Laub bunt. Tanzend schweben eure Blätter zur Erde und decken eure schlafenden Samen zu.
Ein neues Leben beginnt.
...
Bleibe nun zum Abschluss noch eine Weile mit geschlossenen Augen stehen und spür in dich hinein...
Sobald es für dich passt, wirst du wieder zum Menschen: aus deinen Wurzeln werden Füße – du spürst wie sie fest auf der Erde stehen.
Aus deinem Stamm werden die Beine, der Rücken, der Bauch und der Brustkorb – du spürst, wie sich dein Brustkorb mit jedem Atemzug hebt und senkt, spürst, wie kräftig dein Rückgrat und deine Beine sind.
Deine Äste werden zu Armen und Händen – strecke sie und schüttele sie leicht aus, schließe die Hände zu Fäusten und öffne sie wieder.
Die Krone wird nun wieder dein Kopf – du spürst, wie klar und wach er nun ist. Kreise ihn leicht hin und her. Auf deinem Gesicht spürst du angenehm das Licht und die Luft.
Atme nun noch einmal tief ein und wieder aus und öffne dann langsam deine Augen.
...



wenn ihr als sprecher selbst teil des baumkreises seid, ersetzt ihr das "ihr" durch ein "wir".

der WaldWirbelWind hat die meditation anfangs begeistert mitgemacht, ab dem zeitpunkt, als ich von den tieren sprach, denen er ein zuhause gibt, wollte er aber nicht mehr und ist lachend spielen gelaufen... - soweit also der test mit einem lebhaften 6-jährigen.
mich selbst hat die meditation sehr gestärkt, ich habe mich frischer gefühlt und bin eindeutig aufrechter und geerdeter gestanden als vorher. als besonders schön empfand ich das gesteigerte wir-gefühl, auch wenn der wirbelwind das weite gesucht hat, dafür haben sich aber auf einmal hund und katze im kreis eingefunden.

ich freue mich, wenn ihr mir eure erfahrungen mit der meditation erzählen wollt!

(Die Aktionsbeschreibung versteht sich als Beitrag zum kollegialen Erfahrungsaustausch. Für etwaige Schäden, die infolge des Einsatzes einer Aktion oder Übung auftreten, übernehme ich keine Verantwortung.)

Kommentare:

  1. Das klingt überaus spannend. Die Idee mit dem Stempel wird alle Kinder begeistern. Ich drücke Dir dir Daumen und hoffe auf einen entspannten Waldausflug mit wärmenden Sonnenstrahlen und tollen Erlebnissen,

    Sabine

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  2. Eine sehr schöne Meditation. Sicher nicht mit jeder Kindergruppe machbar, aber ich modifiziere sie gerne mal familiär. :-)
    Viel Erfolg für deine erste Waldreise mit Kindern!

    Herzlich, Katja

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  3. Wunderschön..., nicht wahr? Ich habe diese Meditation ähnlich schon mit Erwachsenengruppen gemacht, mit Kindern im Vorschul- und jungen Schulalter eher die Baummassage "Ein Tag im Leben eines Baumes", mit der man sich in das Leben eines Baumes hinein versetzen kann. Auch lieben die Kinder die Massage bzw. das Agieren parallel zum Text... Im Kreis paarweise stehend ist jeweils ein Partner der Baum, der die Augen schließt, der andere Partner verdeutlicht mit Berührungen den Text der von der Anleitung gesprochenen Meditation. Ich habe mir als Anleiterin auch immer einen "Partner" gesucht, damit ich geeignete Berührungen vormachen konnte, z. B. "Die Morgensonne wärmt den Baum" - mit beiden Händen vom Kopf über die Schultern des "Baumes" streichen, oder "Ein Vogel kommt geflogen und hüpft einen Ast hinauf" - mit zwei Fingern einen Arm hinauf hüpfen, oder "Ein kräftiger Wind fährt durch die Krone" - der Oberkörper wird hin und her bewegt usw., der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt... Natürlich wollen alle mal Baum sein, so dass "mittags" gewechselt wird, wenn der Baum in der Hitze des Tages eine kleine Mittagspause gehalten hat... Liebe Grüße Ghislana

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der wald ist voller worte - ich freu mich über deine.